Radioarchiv

 Memories aus 20 Jahren RADIOJournal

Radio-Nachrichten 1990

• Aus dem »ARD-Nachtrock« wird am 1. Januar 1990 die ARD-Popnacht. Nicht nur der Name wechselt, auch das was gesendet wird, soll anders klingen. Der »ARD-Nachtrock« startete Weihnachten 1985 als drittes gemeinschaftliches Hörfunkprogramm der ARD. In der Zeit zwischen 0.05 und 2.00 Uhr (samstagsnachts bis 4.00 Uhr) wurde der Nachtrock abwechselnd von den einzelnen ARD-Anstalten live gesendet. Über die nächtlich abwechselnden Moderationsweisen und Musikrichtungen waren alle Beteiligten unzufrieden. SWF 3 zog im Januar 1988 die Konsequenz und stieg aus dem »ARD-Nachtrock« aus. Mit »Lollipop« und »Popfit« sendet der SWF seine eigene Nachtmusik bis morgens um sechs. Die anderen ARD-Anstalten liefern jetzt ein neues Konzept für die künftige Popnacht: Was derzeit noch uneinheitlich und allzu oft wie eine „kleine Krachmusik“ klingt, soll in Zukunft einheitlicher und hörerfreundlicher sein. Populäre Moderatoren sorgen dafür, dass aus der Popnacht eine fröhliche Sendung mit professionellem Layout wird. Eine Sendung, die vor allem jene Hörer ansprechen soll, die nachts arbeiten oder mit dem Auto unterwegs sind.

• 10 Jahre SR3 Saarlandwelle: Am 7. Januar 1990 sind es genau zehn Jahre her, dass SR 3 Saarlandwelle auf Sendung ging. Damals handelte es sich um das erste regionale Vollprogramm der ARD. Für das Saarland uns seine Nachbarregionen ist SR 3 das erste Programm, wenn es um Nachrichten und Informationen aus der Region geht, um volkstümliche Unterhaltung oder um direkte Höreransprache etwa mit dem »Rendezvous der Saarlandwelle« oder dem »Singenden, klingenden Dreiländereck«. Ein Programm, mitten im Herzen Europas, für Saarländer, aber auch für Hörer in Luxemburg, Lothringen und Teilen des Elsaß.

• Am 26. Januar 1990 wurden in Trier die neuen Studioräume des rheinland-pfälzischen Privatsenders Radio RPR eingeweiht. 40 Mitarbeiter bestreiten nun ein 24-Stunden-Vollprogramm, das die Bereiche Mosel, Eifel, Hunsrück, Teile des Saarlandes sowie Luxemburg umfasst. Neben Trier gibt es Regionalprogramme aus Koblenz, Mainz, Ludwigshafen und Kaiserslautern. 

• WDR nahm modernen Ü-Wagen in Betrieb: Eine "Akustik wie im Funkhaus" hat der neue große Hörfunk-Übertragungswagen "Ü2" des WDR, mit ihm kann der Sender künftig im ganzen Land Konzerte in Digital-Qualität aufnehmen. Der neue "Ü2" gilt als weltweit modernster Hörfunk-Übertragungswagen, mit dem erstmals eine Vielzahl von Problemen, die vor Ort bislang auftraten, gelöst sind. "Ü2" ersetzt ein 18 Jahre altes Fahrzeug und ist nahezu vollständig digital ausgestattet. Analog-Aufnahmen sind jedoch weiterhin möglich. Die gesamte Anlage arbeitet dabei "prozessgesteuert" und wird bei Großereignissen eingesetzt.

»Vom Telefon zum Mikrofon« – das Wunschkonzert des Südwestfunks aus Baden-Baden feierte am 10. Januar 1990 Jubiläum: es wird seit 1970 an jedem Mittwochabend von 20.05 Uhr bis Mitternacht ausgestrahlt. Das sind laut SWF-Magazin bisher über 1.000 Sendungen mit weit über 45.000 erfüllten Musikwünschen. Den 20. Geburtstag feierte das „WUKO-Team“ mit einem Dankeschön an alle Hörer, die im Laufe der Jahre als Anrufberechtigte das Programm mitgestaltet haben.

• „0.00 Uhr. Montag, 12. Februar 1990. Hier ist der Deutschlandsender, auf den bisherigen Frequenzen von Stimme der DDR...“ eine Rundfunkstation hat ihre Identität wiedergefunden. Der Sender hatte im Herbst 1971 auf Weisung der damaligen Staats- und SED-Führung seinen traditionsreichen Namen ablegen und sich umbenennen müssen. Anschließend sprach Intendant Martin Radmann: „Unsere Hymne, verehrte Hörerinnen und Hörer hat ihre Sprachlosigkeit verloren. Deutschland – einig Vaterland – und unser Sender seine Identität wiedergefunden – Deutschlandsender. Dieser Mitte vergangener Woche von der Belegschaft gefasste Beschluss ist das Ergebnis einer wöchentlichen, gründlichen Diskussion, gestärkt durch Fragen, Vorschläge und Wünsche nicht weniger Hörer, vor allem aber der vorherrschenden Meinung einer Analyse der stürmischen Entwicklung im Land, die Realpolitik verlangt. Deshalb will der Deutschlandsender den Weg zur deutsch-deutschen Einigung als Teil des europäischen Einigungsprozesses besonnen begleiten...“

• Hollands DJ-Star kommt „nach Hause“: Ferry Maat – seit den 70ern bei „Radio Nordsee International“ ein Begriff für beste Präsentations-Qualität – kehrt in diesen Wochen dem Amsterdamer Satelliten „Radio 10“ den Rücken und zur Hilversumer TROS zurück. Bei der öffentlichen Radio-Organisation führte er nach dem erzwungenen Sendeschluss des Seesenders RNI seine fetzigen Pop- und Black-Music-Shows fort, bis er vor zwei Jahren die Programmleitung beim Satelliten-Popsender übernahm. Nun will er in gleicher Funktion die Musiksendungen der TROS auf den Senderketten Radio 2 (Easy Listening) und Radio 3 (Pop) auf Vordermann bringen.  

Radio 7 Victoria strahlt seit Februar 1990 ein Programm mit landesweitem Charakter aus, welches auf das gesamte Land Baden abgestimmt ist. Eigene Korrespondenten (zum Beispiel auch in Straßburg) haben täglich feste Programmplätze. Love Songs, Heartbreakers, aber auch Erlebnismusik bestimmen das Musikbild. Chefredakteur Günter Knappe und Musikchef Oliver Kraft wechselten von der Karlsruher „Welle Fidelitas“, Christian Simon vom ARD-Fernsehen und ehemals SWF-Hörfunk sowie Walter Fuchs von SWF 3 zu Radio 7 Victoria.  

• NDR2-»Club« feiert 20. Geburtstag: Ein seltenes Jubiläum, denn kaum eine Jugendsendung hielt so lange durch. „Uns war klar: Wir mussten der Jugend mehr Platz im Programm einräumen“, erinnert sich Dethardt Fissen, damals Leiter des Jugendfunks an die Geburtsstunde des »Clubs«. Die Moderatoren nahmen kein Blatt vor den Mund und präsentierten eine tolle Mischung aus Musik und Informationen. »Club«-Moderator Henning Venske wollte mit musikalischen Farbtupfern neue Akzente setzen und „Alternativen zum Schlagereintopf“ bieten. „Wir mussten lange ringen, bis der erste Plattenspieler direkt im Studio installiert wurde“, sagte er dem NDR-Magazin. „Der »Club« gehört zu den ältesten Sendungen der ARD und erreicht die höchsten Einschaltquoten. Die Mischung machts“, erklärt Redakteur Reinhard Kujawa das Erfolgskonzept des zweistündigen Magazins.

• “Endlich…” mit diesem Wort kommentierte Frank Böhnke, Geschäftsführer des “Verbandes Lokaler Rundfunk in Nordrhein-Westfalen” (VLR), den Start des Lokalradios in Duisburg am 1. April 1990. Mit Radio Duisburg ging das erste Lokalradio nach dem Zwei-Säulen-Modell des nordrhein-westfälischen Landesrundfunkgesetztes (LRG) auf Sendung. Damit verlor der VLR seinen Status als Verband nichtsendender Veranstaltergemeinschaften. Die VG Duisburg ist eine von mittlerweile 30 im VLR zusammengeschlossenen VGs. Radio Duisburg strahlt ein Vollprogramm auf UKW 92,2 MHz aus. Von diesen 24-Stunden produziert und sendet die Duisburger Lokalredaktion jeweils zwölf montags bis freitags vor Ort. In den verbleibenden zwölf Stunden übernimmt Radio DU ein landesweit ausgestrahltes Mantelprogramm. Am Wochenende stehen samstags und sonntags elf Stunden als lokales Programm zur Verfügung. Alle Sendungen beinhalten Ereignisse und Handlungen mit unmittelbarem Lokalbezug.

• Am 6. Mai 1990 startet der erste neue Landessender in Mitteldeutschland. ANTENNE BRANDENBURG ist ein Zusammenschluss der bisherigen Bezirkssender Potsdam, Cottbus und Frankfurt/Oder. Es wird täglich von 4.00 bis 20.00 Uhr gesendet. Das Programm soll laut eigenen Angaben aus „viel Spaß, Musik und Informationen“ bestehen.

• Radio FFB auf Sendung: Mit dem Lokalprogramm Radio FFB startete am 19. Mai 1990 um 10.00 Uhr die erste lokale Hörfunkstation im Münchner Umland. Auf der Basis eines sechsmonatigen Programmversuchs sendet Radio FFB auf der Frequenz 91,7 MHz mit einer Leistung von 50 Watt. Außerhalb der Hauptsendezeit wird das Rahmenprogramm von RTL übernommen. Das Studio befindet sich in der Shöngeisinger Straße 11 in Fürstenfeldbruck. Zum Auftakt fand eine Eröffnungsfete am Hauptplatz vor der Sparkasse statt, die teilweise live übertragen wurde und zahlreiche Zuschauer anlockte.

• Wundersame Wandlungen bei ANTENNE BAYERN: Tommy Ohrner, Afternoon-Jock des landesweiten Privatradios, kann es richtig amerikanisch. Wer ihn in seiner unsäglichen »Musikduell«-Show bei Radio Luxemburg (negativ) in Erinnerung hatte, muss sich wirklich wundern, wenn er ihn jetzt auf der bajuwarischen Oldiestation vernimmt. Keine Spur mehr von nervtötender Geschwätzigkeit, statt dessen Wandlung zum profihaften Präsentator, der dem Musikdrive von „Bayerns besten Oldies“ freien Lauf lässt. Wohl auch bisher einzig in Deutschland ist seine Attitüde (in USA längst gang und gäbe) vor dem commercial break schon die nächsten Plattentitel anzureißen.

• WDR 1 überrascht seit einigen Monaten einmal wöchentlich mit einem Präsentationsprofi. Stephan Kaiser, von den Radios Telstar Belgien und Offenburg Insidern hinlänglich als Könner bekannt, wurde angeheuert, um die US-Chart-Show am Samstagabend zu präsentieren. Seine coole, sämtlichen Standards anglo-amerikanischer DJ-Kunst entsprechende Moderation hebt sich wohltuend von den Unsäglichkeiten ab, die sich ansonsten auf dieser Welle anmaßen, eine wirkliche Popmusikshow zu sein. Lediglich noch Wolfgang Roth kann für sich in Anspruch nehmen, mit seiner samstäglichen WDR 1-Hitparade »Schlagerrallye« etwas aus dem öffentlich-rechtlichen Einheitsbrei von leerem Magazingeschnatter und besserwisserischem „Musik-Journalismus“ Herausragendes in den Äther zu bringen.

• Tom Rounds, mit dem legendären Casey Kasem zusammen Begründer der ebenso legendären US-Chartshow »American Top 40«, plant mit seiner neuen Syndication-Firma Radio Express eine deutschsprachige Version dieser weltweit vermarkteten Hitparaden-Sendung. DJ wird der Amerikaner Benny Brown, europaweit bekannt durch seine Zeit beim englischsprachigen RTL-Programm und dem niederländischen Kabelradio „Cable One“.

• Im Mai 1990 ging in der Schweiz der 24-Stunden-Sender Radio Argovia on air, der hauptsächlich von den Verlagen des „Aargauer Tagblatts“ und des „Badener Tagblatts“ (je 24 Prozent) getragen wird. Die Konzession beinhaltet allerdings das Frequenzsplitting mit dem grün-alternativen „Aargauer Regionalradio“ (ehemals „Radio Alora“). Neben Radio Argovia hatte das Medienhaus Ringier AG auch ein Konzessionsgesuch für Radio Aarau eingereicht, jedoch keine Genehmigung erhalten.  

• Der Südwestfunk (SWF) hat in Stuttgart ein neues Studio bezogen. Rund zwei Millionen DM wurden für den Erwerb und die technische Ausstattung investiert, aus dem jährlich etwa 2.000 Beiträge aus der Landeshauptstadt und dem mittleren Neckarraum für die drei Hörfunkprogramme des SWF gesendet werden. Das Stuttgarter SWF-Studio wird seit 17 Jahren vom Helmut Hasselt geleitet. In dem neuen Studio, das auf einer Etage eines Jugendstil-Bürgerhauses in der Alexanderstraße 112 untergebracht ist, arbeiten drei Redakteure, zwei freie Mitarbeiter und zwei Toningenieure; organisatorisch gehört es zum Landesstudio Tübingen.  

• Am Sonntag, den 13. Mai 1990 begann Radio MK (Märkischer Kreis) mit seinen Sendungen. Mit dreistündiger Live-Sendung und jazzumrahmter Fete auf dem Weseler Kronmarkt, startete am 6. Mai und 12.00 Uhr Radio K.W. (Kreis Wesel). Für den 1. Juni geplant, war der Sendebeginn von Radio Siegen. Neben fünf Stunden Eigenproduktionen wird das Rahmenprogramm von radio NRW ausgestrahlt.  

• »Plattdeutsch« heißt eine Sendung von NDR Radio Niedersachsen jeweils am Montagabend zwischen 21.00 und 22.00 Uhr. Niedersachsen ist das zweitgrößte Flächenland der Bundesrepublik und hat eine Vielzahl von Bräuchen, sprachlichen Eigenheiten und historisch bedingten Unterschieden zu bieten. Von Ostfriesland bis zum Münsterland, von der holländischen Grenze bis nach Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt erstreckt sich dieses Land, das 1947 aus den ehemaligen Ländern Oldenburg, Schaumburg-Lippe und Braunschweig sowie der preußischen Provinz Hannover entstanden ist.

„ANTENNE NIEDERSACHSEN – Hören, was Sie sonst vermissen“ – mit diesem vielversprechenden Slogan ist seit 21. Mai 1990 der zweite landesweite Privatsender in der Luft. „Die richtige Mischung aus entspannender und spannender Unterhaltung, sachlichem, aktuellem Journalismus und praxisnahem Hörerservice“ heißt das Programmkonzept. Kernzielgruppe sind die 25 bis 45-Jährigen, dabei versteht sich ANTENNE als Partner seiner Hörer. Im Funkhaus an der Goseriede arbeiten seit dem 1. April 1990 über 50 ANTENNE-Macher; die Hälfte davon sind Frauen. Auf 1826 Quadratmeter sind hier rund um die Uhr zwei Sende- und ein Produktionsstudio in Betrieb. Geschäftsführer und Programmdirektor ist Hans-Georg Baum. 

• Sämtliche aus Frankreich einstrahlenden Rundfunkstationen mit deutschem Programm wurden verboten und mussten den Sendebetrieb einstellen. Doch die vielen Proteste der Hörer hatten Erfolg. Radio Studio 1 aus Bitche soll am 15. Juni 1990 die offizielle Lizenz erhalten. Die Station will am 1. Juli auf der Frequenz 106,1 MHz wieder „in der Luft“ sein. Nach und nach ist eine Erhöhung der Sendeleistung geplant, um wieder weite Teile des Saarlandes, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg erreichen zu können. Auch Radio Melodie soll mit einem weiteren Anbieter eine Lizenz erhalten und am 1. Juli 1990 auf Sendung gehen.

• Neues NDR-Studio in Norderstedt: Der NDR hat neue Studioräume in Norderstedt bezogen. Nacht achtjährigem Provisorium in einer kleinen Wohnung in der Ulzburger Straße wurde jetzt der Produktions- und Sendebetrieb für Hörfunk und Fernsehen im Stadtzentrum am Moorbek-Rondeel verlagert. Die offizielle Eröffnung fand am 25. Juni 1990 statt. Das Studio Norderstedt ist eines der vier Regionalstudios des Landesfunkhauses Schleswig-Holstein, zuständig für das Hamburger Randgebiet/Südholstein. Zum Berichterstattungsgebiet gehören die Kreise Pinneberg, Segeberg und Stormarn – ein Bereich, in dem ein Drittel der schleswig-holsteinischen Bevölkerung lebt. Susanne Gebh und Christian von Plato beliefern von Norderstedt aus die NDR 1 Welle Nord mit Hörfunkbeiträgen und das NDR Schleswig-Holstein-Magazin mit Fernsehberichten. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa), die in Norderstedt einen Korrespondentenplatz unterhält, ist ebenfalls in den Neubau am Moorbek-Rondeel, Rathausallee 70, umgezogen.  

• Die Ferienwelle Rostock begann ihre diesjährige Saison am 1. Mai 1990 mit dem neuen Morgenmagazin »May day ‚90«. Gesendet wird jetzt werktags von 5.00 bis 20.00, samstags und sonntags von 6.00 bis 17.00 Uhr. Das Nachmittagsprogramm »Auf Tour« soll die Hörer über touristische Attraktionen, Ausflugsziele und Besonderheiten im Straßenverkehr informieren. Vorrangiges Zielpublikum sind jetzt Urlauber und nicht mehr die Küstenbewohner. Seit dem Start von RMV I (Radio Mecklenburg-Vorpommern) am 1. Juli, gibt es auch keinen Saisonschluss mehr (früher 1. September); die Urlauber werden nun bei jedem Wind und Wetter ganzjährig unterhalten.  

Radio Mecklenburg-Vorpommern (RMV) sendet sein Lokalprogramm seit dem 1. Juli 1990 von 5.00 bis 20.00 Uhr. Anschließend werden die Sendungen der »Ferienwelle« übernommen. Der Sender Mecklenburg wurde im Zuge der Ländergliederung nur Landesstudio.

• Am 27. Juni 1990 hat der WDR die neue Sendeanlage Aachen-Stolberg in Betrieb genommen (Muttersender für die kleineres Anlagen Bärbelkreuz und Monschau). Der Versorgungsbereich reicht vom Kreis Heinsberg im Norden über die Jülicher und Zülpicher Börde bis zu Teilen der Süd-Eifel. Die Strahlungsleistung beträgt für WDR 1 jetzt 20 Kilowatt (früher 15), für die anderen drei Programme 20 Kilowatt (früher 5).

• Das WDR-Hörspiel „Sanierung“ (Koproduktion mit RIAS und DRS Basel) des tschechischen Dramatikers und Staatspräsidenten der CSR, Vaclav Havel, wurde von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste als Hörspiel des Jahres ausgezeichnet.

• 1000 mal live: der »Bremer Container« auf Radio Bremen 3: Die Idee wurde vor 20 Jahren auf dem Museumsschiff "Seute Deern" in Bremverhaven ausgetüftelt. Ein Original-Container, umgerüstet zu einem fahrbaren Rundfunkstudio mit Minibühne - eine ideale Möglichkeit, Kontakte zwischen dem Radio und den Hörern zu knüpfen, live aus der Region zu senden, Themen zu behandeln, die den Menschen dort auf den Nägeln brennen. Das alles eingepackt in musikalische Unterhaltung mit Künstlern vor Ort. Inzwischen hat der »Bremer Container« über 200.000 Kilometer zurückgelegt, jeden Freitag geht er erneut auf Tour. Zum ersten Mal auf Sendung war der »Bremer Container« am 3. April 1970.

• „DDR 1 - Radio aktuell“ nennt sich seit 1. August 1990 nur noch Radio Aktuell.

• Mit einem Konzert aus den Lieblingsmelodien der Redakteure endete am 5. August 1990 die Programmausstrahlung von Radio Belcanto. Aus wirtschaftlichen Gründen sah sich die Studio Gong GmbH gezwungen, das erste private Klassik- und Kulturprogramm in Deutschland, einzustellen. Radio Belcanto sendete von München aus 24 Stunden rund um die Uhr und wurde in Kabelanlagen im gesamten Bundesgebiet eingespeist. Die Arbeit der Redaktion stand im krassen Gegensatz zu den Werbeeinnahmen. Die Agenturen zweifelten daran, dass Radio über Kabel gehört wird und verfügten für viele hochklassige Produkte über keine Werbespots. Terrestrische Frequenzen, die einen Empfang auch in nicht verkabelten Haushalten ermöglicht hätten, stellten die Landesmedienanstalten dem privaten Klassiksender nicht zur Verfügung.

• Seit Sonntag, den 16. September 1990, 0.00 Uhr, ist Radio Neandertal (Lokalsender für den Kreis Mettmann) auf UKW 106,7 MHz auf Sendung. Chefredakteur ist Jürgen Stöcker.

• Lokaler Hörfunk ist jetzt auch in den bayerischen Städten Kitzingen, Gemünden/Lohr und Marktheidenfeld empfangbar. Seit 21. September 1990 wird das Programm von Radio Gong Mainland aus Würzburg ausgestrahlt. Bereits am 14. September ist in Kitzingen auf UKW 88,5 MHz Radio Charivari Würzburg auf Sendung gegangen.

• rias2 änderte Programm: Am 1. Oktober, einen Tag nach der Feier zu seinem fünften Geburtstag, nahm rias2 einige Programmänderungen vor: Der »rias2-Radioexpress« startet nunmehr montags bis freitags im Anschluss an die »Nachtschicht« um 5.00 Uhr. Die von Andreas Dorfmann moderierte »rias2-Topline«, eine dreistündige, von Hörern zusammengestellte Sendung, wechselte von Sonntag auf Samstag. Neu im Programm ist am Sonntag die Sendung »Nachschlag«. Konstantin Klein, Rainer Traube und Klaus Nothnagel servieren von 19.00 bis 20.00 Uhr ein kritisches Meinungsmagazin mit Interviews, Glossen, Kommentaren und Hörer-Talk. Rik de Lisle, viele Jahre werktags von 4.00 bis 6.00 Uhr früh am Mikrofon, wechselte ins Nachmittags- bzw. Abendprogramm und moderiert hier unter anderem auch die »rias2-Wunschhits«. Jetzt schon um 18.45 Uhr, ist Friedrich Luft am Sonntag auf rias2 zu hören. Die »Stimme der Kritik«, in der der bekannte Kritiker seit Februar 1946 die Berliner Theaterszene kommentiert, ist die wohl älteste Sendung im deutschsprachigen Rundfunk. Luft ist der Einzige, der regelmäßig in beiden RIAS-Programmen zu Wort kommt: jeweils am Sonntag um 11.45 Uhr vor dem Klang der Freiheitsglocke auf RIAS 1 und als Wiederholung um 18.45 Uhr auf rias2.

• 10 Jahre Bayern 4 Klassik: Am 3. Oktober 1980 hob der Bayerische Rundfunk ein Hörfunkprogramm aus der Taufe, das in seinen Zielen und seiner Programmfarbe ein Novum war: "Bayern 4 Klassik". Begonnen wurde mit nur wenigen Stunden eigenen Programms, doch mittlerweile hat sich die Sendung mit mehr als 22 Stunden täglich ein großes Publikum von Freunden Ernster Musik erschlossen und wurde zum Markenzeichen des Bayerischen Rundfunks.

• Seit 4. Oktober 1990 strahlt RMV große Teile des NDR 2-Programms auf den Frequenzen der „RMV-Ferienwelle“ aus. Die Vereinbarung gilt zunächst bis Ende April 1991. Ab 1. Januar 1991 übernimmt die „Ferienwelle“ auch das neue Nachtprogramm von NDR 2. Nachrichten und Verkehrsservice kommen direkt aus Rostock.

• Am 6. Oktober 1990 schaltete die Telekom um 11.50 Uhr die Sender von Radio Emscher-Lippe (REL) an, um Bottrop, Gelsenkirchen und Gladbeck mit dem Lokalfunk zu versorgen, der sieben Minuten später "Mein Lieblingsradio" erklingen ließ.

Das Team von WDR 4 wurde am 25. Oktober in Köln mit dem erstmals vergebenen Robert-Stolz-Medienpreis 1990 ausgezeichnet, weil es "Maßstäbe für erstklassige Unterhaltungskultur geschaffen hat". In der Begründung hieß es, das breitgefächerte Angebot von WDR 4 werde "sensibel programmiert, professionell präsentiert und pointiert moderiert".

In seiner Sendung »Servus Bayern« am 25. Oktober wollte ANTENNE BAYERN Moderator Stefan Parrisius den wahren Wert eines US-Dollars (historischer Tiefpunkt von DM 1,4970) erfahren und rief spontan zu Geboten auf, die die Hörer telefonisch durchgaben. Das Höchstgebot über 550 DM kam von Thomas Jurczyk aus Holzkirchen. Er bekam die originale - von Stefan Parrisius unterschriebene - Dollar-Note und übergab im Gegenzug den Scheck an Bundesminister Dr. Helmut Haussmann.

Seit dem 11. November ist in der Schweiz Radio Rottu im Wallis on air und versorgt rund 55.000 Einwohner im deutschsprachigen Teil des Kantons mit einem 24-Stunden-Programm.

• Der Deutschlandfunk feierte am 22. November 1990 das 25-jährige Bestehen seiner England-Redaktion. Der britische Botschafter Sir Christopher L.G. Malaby, der an einem Empfang teilnahm, bezeichnete das Programm als einen "Beitrag zum Frieden und zum gegenseitigen Verständnis in Europa". Am 11. Oktober 1965 wurde die erste Sendung ausgestrahlt. Sie dauert jetzt 45 Minuten und ist auf Mittelwelle 1269 kHz sowie über Satellit zu empfangen. 

• Am 23. Dezember 1990 ging der Ostschweizer Radiopionier Fredy Weber in Pension. Er gehörte zu den Gründern des Regionalstudios Ostschweiz von Radio DRS in St. Gallen. In den 50er und 60er Jahren hat der begeisterte Tonjäger die Form der Radioreportage mitgeprägt und weiterentwickelt. Fredy Webers erster Flirt mit dem Medium Radio begann 1943. 1949 war er Mitbegründer des Schweizerischen Tonjägervereins. Als freier Mitarbeiter bei den internationalen Hafenkonzerten »Gruß vom Bodensee« wird er auch weiterhin am Mikrofon bleiben.

• Mit Radio Salü ging das erste Privatfunk-Programm im Saarland auf Sendung. Zum ersten Male in der Bundesrepublik unter Beteiligung einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. Der Saarländische Rundfunk hat sich mit 20 Prozent an der Euroradio Saar GmbH beteiligt. Hauptgesellschafter ist Europe 1, einer der größten französischen Rundfunkunternehmer mit Sitz im Saarland.

• Mit einem siebentägigen »Endspurt 90« startete Radio 90,1 ins neue Jahr und gleichzeitig in das Guiness-Buch der Rekorde. Vom 25. Dezember, 12.00 Uhr bis 1. Januar, 12.00 Uhr, wurde die Mönchengladbacher Top 2020-Hitparade vorgestellt. Garniert wurde der musikalische Marathon durch Verlosungen, Aktionen, Spaß und Spiel, eine Versteigerung, Hörergrüße sowie Partnerzusammenführungen. Rund um die Uhr wurden Außenreporter gerufen, die den lokalen Bezug aus Mönchengladbach und Umgebung herstellen sollten. Aus dem Rahmenprogramm übernahm Radio 90,1 in den 168 Stunden nur die Werbung mit den Nachrichten. Die DJs des Lokalsenders wechselten sich alle drei Stunden ab. Die ersten Plätze der Hitparade belegten schließlich "Inigma" (Sadness) und "Freiheit" (Marius Müller-Westernhagen).

• Ab 1. Januar 1991 wird die NDR 2-Erfolgswelle ihr Programm rund um die Uhr senden. Verwaltungs- und Rundfunkrat haben einem Vorschlag von Intendant Dr. Peter Schiwy zugestimmt. Schiwy: "Der NDR will seinen Hörern damit zu jeder Zeit ein eigenständiges, aktuelles Programm anbieten."

Im Frühjahr 1990 hatte RPR in einer großangelegten Plakataktion mit dem Slogan "Früher war sie Elmar hörig ... heute hört sie nur noch RPR!" geworben und musste erneut eine Vertragsstrafe zahlen. Der Südwestfunk und SWF 3-Moderator Elmar Hörig hatten eine Unterlassungsklage erwirkt, an die sich RPR jedoch nicht hielt.

Für die gemeinsame Aktion »Don't drink and drive« erhielten der Vizepräsident des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), Dr. Sellitsch, ORF-Hörfunkintendant Rudolf Nagiller und "Club Ö3"-Chef Hans Leitinger eine Anerkennung im Rahmen des Staatspreises für Public Relations 1990 im Haus der Industrie in Wien. Während einer dreimonatigen Radiokampagne "gegen Alkohol am Steuer nach Discobesuchen" stellten sich österreichweit rund 300 Diskotheken in den Dienst der Sache.

• Nahezu jeder zweite deutsche Tourist hört im Ausland die Deutsche Welle. Der Intendant des Kölner Auslandsrundfunks erklärte, über 60 Prozent der Langzeit-Urlauber nähmen eigene Radiogeräte mit. In dieser Gruppe habe die Deutsche Welle auch den mit Abstand größten Bekanntheitsgrad. Gut schneide die DW bei der Bewertung vor allem mit ihrem Programm ab. 

• Der Norddeutsche Rundfunk hat seit Dezember 1990 ein Korrespondentenbüro in Bremen. Die neue Niederlassung befindet sich in der Sögestraße 15. Sie wurde vom Direktor des NDR-Landesfunkhauses Niedersachsen, Thomas B. Stehling, eröffnet. "Bremen wird künftig in den Programmen des NDR eine größere Rolle spielen", sagte er in Anwesenheit zahlreicher prominenter Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien. Als Korrespondent in das neue NDR-Büro zog Lothar Bagemihl ein, der bereits seit vielen Jahren aus der Hansestadt berichtet.